Auftakt zur Bildungsreihe - 9. November 2010

Gefangen in der Internetfalle


Wasserburg: Der Nutzen des Internet ist unbestritten, selbst wenn eine allzu gutgläubige Anwendung mit erheblichen Risiken verbunden ist. Welche Gefahren tatsächlich im world wide web nicht nur auf unsere Kinder lauern, zeigte Medienprofi Rainer Viehbeck im November 2010. Sein Vortrag „Internet – Faszination und Gefahr“ im Hotel Fletzinger brachte selbst erfahrene Internetsurfer zum Staunen.

 

Der Ortsverein der SPD hatte Rainer Viehbeck als Referenten für den Auftakt einer Vortragsreihe zum Thema Bildung gewonnen. Der Wasserburger Berufschullehrer ist Medienberater bei der Regierung von Oberbayern und gilt als Experte, wenn es um die Nutzung neuer Medien geht. Computer und Internet sind aus Schule, Beruf und Freizeit nicht mehr wegzudenken. Doch selbst erfahrene Internetsurfer können leicht in Abzockfallen geraten, so Viehbeck. Zudem sei ein ganzes Heer von Juristen auf Massenabmahnungen bei Urheberrechtsverletzungen spezialisiert. Dies betreffe längst nicht mehr nur illegale Downloads von Musik. Immer öfters suchen Abmahnanwälte ganz gezielt nach widerrechtlich genutzten Bildern, so die Erfahrungen aus seiner Beratertätigkeit.

Rainer Viehbeck klärte wesentliche Fragen, was man im Internet beachten muss und was man besser lässt. Dazu zeigte er gleich „online“ wie Gauner mit ohnehin kostenlosen Programmen Kasse machen wollen. Solange aber die Post nicht vom Gericht kommt, heißt die Devise „sich bloß nicht einschüchtern lassen“, empfahl Viehbeck. Selbst der kritiklose Umgang mit sozialen Netzwerken birgt diverse Risiken in sich. 61 Prozent der Bevölkerung sind bei Facebook registriert. Der verwertbare Nutzen ist eher gering, dafür ist die Finanzkraft dahinter umso größer. Rund 19 Euro bringe jeder neue „Benutzer-Account“, ein Betrag der werbefinanziert direkt an Facebook geht. Für den Benutzer ist die Plattform zwar kostenlos, dafür gibt er aber seine Rechte an persönlichen Daten und Bildern auf. Viehbeck empfahl deshalb unbedingt darauf zu achten, was man von sich preisgibt. Viele Personalverantwortliche gehen nämlich ganz gezielt in Facebook auf die Suche, ob Bewerber oder Mitarbeiter dort womöglich eine peinliche Figur abgeben.

Sitzen Schüler und Schülerinnen zulange vor dem PC, leide neben der körperlichen Fitness auch das Lernvermögen, so Viehbeck. Dabei bezog er sich auf die fundierten Daten der aktuellen KIM- und JIM-Studien zum Medienverhalten Kinder und Jugendlicher. Eine direkte Bedrohung sah der Referent im enormen Suchtpotenzial von Online-Spielen wie World of Warcraft. Noch konkreter wird die Gefahr in diversen Suizid- und Anorexieforen, die psychische Störungen heroisieren, statt über effektive Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Um nicht in die Internetfalle zu geraten, sollten Eltern das Surfen ihrer Kinder stets im Auge behalten und altersabhängig zeitlich limitieren. Keinesfalls aber darf der PC unbeobachtet im Kinderzimmer stehen. Rainer Viehbeck plädierte für Filterlösungen, die gezielt jugendgefährdende Inhalte ausblenden. „Denn bei ganz viel Müll gibt es auch durchaus eine Menge brauchbarer Inhalte, die das Lernen und die Bildung fördern“, so Rainer Viehbecks Fazit.

Wolfgang Janeczka